Der Deutsche Tanzpreis 2027 würdigt gleich zwei Persönlichkeiten, deren künstlerisches Schaffen eng mit Mainz verbunden ist. Während die Schweizer Choreografin Rafaële Giovanola mit dem Deutschen Tanzpreis ausgezeichnet wird, erhält Martin Schläpfer die Ehrung für sein Lebenswerk. Beide haben die Tanzlandschaft der Landeshauptstadt nachhaltig geprägt und weit über Mainz hinaus Maßstäbe gesetzt.
Deutscher Tanzpreis für Rafaële Giovanola

Mit dem Deutschen Tanzpreis ehrt die Jury Rafaële Giovanola für 25 Jahre außergewöhnlicher künstlerischer Arbeit und ihren wegweisenden Beitrag zum zeitgenössischen Tanz. Die Gründerin der Compagnie CocoonDance gilt als eine der eigenständigsten Choreografinnen Europas. Ihre Werke hinterfragen traditionelle Vorstellungen von Körperlichkeit und entwickeln eine faszinierende Bewegungssprache, in der Menschen, Pflanzen, Insekten oder Maschinen scheinbar miteinander verschmelzen.
Besonders erfreulich aus Mainzer Sicht: Rafaële Giovanola verbindet seit Jahren eine enge Zusammenarbeit mit tanzmainz. Für die Compagnie des Staatstheaters Mainz entwickelte sie 2022 die Produktion SPHYNX, die mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST als „Beste Tanzinszenierung“ ausgezeichnet wurde. Die Zusammenarbeit mit tanzmainz machte einmal mehr deutlich, wie fruchtbar der künstlerische Austausch zwischen Mainz und einer der innovativsten Choreografinnen der Gegenwart ist.
Die Jury würdigt nicht nur Giovanolas beeindruckendes Gesamtwerk mit inzwischen mehr als 50 Produktionen, sondern auch ihr Engagement für die Vermittlung des Tanzes. Mit Nachwuchsprojekten in Bonn und ihrer Heimatstadt Monthey sowie der digitalen Plattform „MoveApp“ setzt sie sich dafür ein, zeitgenössischen Tanz einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Ehrung für das Lebenswerk an Martin Schläpfer

Mit der Ehrung für das Lebenswerk zeichnet der Deutsche Tanzpreis einen Künstler aus, dessen Name untrennbar mit Mainz verbunden ist. Martin Schläpfer leitete von 1999 bis 2009 das ballettmainz und machte die Compagnie in dieser Zeit zu einem der bedeutendsten Tanzensembles Deutschlands.
In Mainz entwickelte Schläpfer seine unverwechselbare choreografische Handschrift weiter und schuf zahlreiche Werke, die das Renommee des Staatstheaters weit über die Region hinaus steigerten. Sein Anspruch, klassische Balletttechnik mit einer zeitgenössischen, höchst persönlichen Bewegungssprache zu verbinden, prägte eine ganze Generation von Tänzerinnen und Tänzern.
Der Erfolg seiner Mainzer Jahre bildete zugleich das Fundament für seine spätere internationale Karriere. Als Direktor des Balletts am Rhein und anschließend des Wiener Staatsballetts führte er Ensembles von Weltrang. Sein choreografisches Œuvre umfasst heute mehr als 80 Werke.
Die Verbundenheit mit Mainz blieb dabei stets sichtbar. Bereits 2002 erhielt Schläpfer den Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz, 2009 verlieh ihm die Stadt Mainz die Gutenbergmedaille – eine Würdigung seiner außergewöhnlichen Verdienste um das kulturelle Leben der Landeshauptstadt.
Eine besondere Anerkennung für den Tanzstandort Mainz
Dass der Deutsche Tanzpreis 2027 an zwei Künstlerpersönlichkeiten geht, die beide in besonderer Weise mit Mainz verbunden sind, unterstreicht die herausragende Bedeutung des Tanzstandorts. Martin Schläpfer legte mit dem ballettmainz den Grundstein für den internationalen Ruf der Mainzer Tanzszene. Rafaële Giovanola knüpfte mit ihren Arbeiten für tanzmainz an diese Erfolgsgeschichte an und bereicherte das Profil der Compagnie um wichtige künstlerische Impulse.
Für die Theaterfreunde Mainz sind die beiden Auszeichnungen deshalb weit mehr als nationale Ehrungen: Sie sind zugleich eine Bestätigung der außergewöhnlichen Qualität des Tanzes in Mainz und seiner nachhaltigen Ausstrahlung weit über die Stadtgrenzen hinaus. Beide Preisträger stehen beispielhaft dafür, wie Mainz immer wieder Künstlerinnen und Künstler hervorbringt oder anzieht, die die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes entscheidend mitgestalten.
