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Ein Walzertraum – ein außergewöhnlicher Konzert-Abend in Mainz

Ein Walzertraum – ein außergewöhnlicher Konzert-Abend in Mainz

Wenn sich historische Filmbilder und live gespielte Musik zu einem einzigen Kunstwerk verbinden, entsteht jener Zauber, den nur ein Stummfilmkonzert erzeugen kann. Genau dieses Erlebnis bot das 4. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, das den frisch restaurierten Stummfilm Ein Walzertraum (1925) von Ludwig Berger mit einer neu komponierten Musik von Diego Ramos Rodríguez präsentierte. Was früher in den Kinos selbstverständlich war, ist heute eine Rarität – und macht dieses Konzert zu einem Ereignis, das weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit verdient.

Stilistische Vielfalt der Komposition

Grundlage des Projekts ist die aufwendige Restaurierung durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die dafür Materialien aus dem Filmarchiv Austria, dem Bundes-Filmarchiv und weiteren zeitgenössischen Quellen zusammenführte. Die Originalmusik des Films gilt inzwischen als verschollen. So erhielt Diego Ramos Rodríguez den Auftrag, eine völlig neue Partitur zu schaffen – eine Aufgabe, der er mit beeindruckender stilistischer Vielfalt nachkam. Eng am Bild komponiert und geprägt von einer modernen, doch nie aufdringlichen Tonsprache, verknüpft er Motive aus Straus’ Operette mit Zitaten aus Monteverdi, Mozart, Beethoven und Schubert bis hin zu Gershwin, Bernstein und damaligen Schlagern. Varietéinstru­mente wie Akkordeon, Saxophon oder Flügelhorn erweitern die orchestrale Palette, und wenn im Film die Konzertmeisterin einer Damenkapelle zum Bogen greift, erklingt im Orchester sogar eine historische Strohgeige – ein optisches und klangliches Highlight.

Anspruchsvolles Dirigat durch GMD Venzago

Chefdirigent Gabriel Venzago führte das Philharmonische Staatsorchester Mainz mit höchster Präzision durch die mehr als 500 Seiten umfassende Partitur, die pro Seite bis zu sieben Tempowechsel enthält. Die perfekte Synchronität mit dem Film verlangte jedem Musiker äußerste Konzentration ab, und doch blieb der musikalische Vortrag leicht, lebendig und dramaturgisch fein abgestimmt. So verschmolzen Leinwand und Klang zu einem Gesamterlebnis, das im Staatstheater Mainz ebenso sinnlich wie technisch beeindruckte.

Begeisterte Kritik

Auch die Kritik zeigte sich begeistert. Axel Zibulski lobte in der FAZ Rhein-Main vom 8.12.2025 die „stilechte“ Wirkung der neuen Musik, die sich mühelos als Originalklang der 1920er Jahre ausgeben könne, und hob das „hervorragende Gespür für Timing“ hervor, mit dem Venzago und das Orchester die Filmszenen begleiteten. Besonders die Mischung aus höfischen Zitaten, Wiener Walzerseligkeit und Anklängen der Berliner Moderne habe das Konzerterlebnis funkeln lassen und das cineastisch offene Publikum zu großem Beifall bewegt.

Dass sowohl Regisseur Ludwig Berger als auch Komponist Oscar Straus wichtige Stationen ihrer frühen Karriere am Mainzer Theater hatten, verlieh dem Abend zusätzliche historische Tiefe – ein „Walzertraum“ also, der nicht nur film- und musikhistorisch Bedeutung besitzt, sondern in Mainz an den bestmöglichen Ort zurückkehrte.

Sendung am 15.12.2025 bei ARTE

Wer die Symbiose aus Film und Musik nicht live erleben konnte, hat bald eine zweite Chance: ARTE sendet den restaurierten Film mit der neuen Musik anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums am 15. Dezember 2025 um 23:55 Uhr, oder aber danach in der ARTE-Mediathek.

Ein gelungener Abschluss eines Projekts, das zeigt, wie lebendig Stummfilm heute sein kann, wenn er mit Leidenschaft, Sorgfalt und künstlerischer Neugier neu belebt wird.