Für Mainzer Theaterfreunde und Fastnachter markiert der Februar 2026 einen historischen Wendepunkt. Seit 1838 ist die Fastnachtsposse ein unerschütterlicher Pfeiler der Stadtkultur – und fast drei Jahrzehnte lang trug sie die unverkennbare Handschrift einer Frau: Heidi Pohl. Nach 27 Jahren am Regiepult verabschiedet sie sich in dieser Spielzeit mit dem Stück „Rambazamba in der Residenz“ in den wohlverdienten Ruhestand.
Eine Karriere voller Zufälle
Heidi Pohls Weg zur „Mutter der Posse“ war alles andere als geradlinig. Die gelernte Souffleuse kam in den 1990er Jahren als Regieassistentin für die Oper an das Staatstheater Mainz. Als eine Vertretung für das närrische Bühnenspiel gesucht wurde, fiel die Wahl auf sie – gerade weil sie als Quereinsteigerin (mit Hintergründen in Germanistik und Kunstgeschichte) einen herrlich unkonventionellen Blick mitbrachte.
Mehr als nur „Helau“
Wer bei der Posse reinen Slapstick erwartet, unterschätzt das Genre. Pohl legte stets Wert darauf, dass die Stücke – in diesem Jahr aus der Feder von Christian Pfarr – mehr sind als eine Aneinanderreihung von Witzen. Es wird zwar „gebrabbelt“, aber so, dass es jeder versteht. Die aktuelle Inszenierung thematisiert den Kampf einer Seniorenresidenz gegen einen geldgierigen Investor – ein aktueller Stoff, der zum Nachdenken anregt, aber stets versöhnlich endet. Egal welches Thema behandelt wird, die Fastnacht spielt unter Pohl immer die eigentliche Hauptrolle.
Respekt vor dem Ehrenamt
Besonders am Herzen lag der Regisseurin immer ihr Ensemble, die „Scheierborzeler“. Diese Amateurgruppe des Mainzer Carneval Vereins (MCV) stemmt die monatelangen Proben neben ihren eigentlichen Berufen. Pohl bewunderte stets die Disziplin, mit der hier zweimal wöchentlich Theater auf professionellem Niveau erarbeitet wurde.
Ein Erbe, das bleibt
Dass die Posse im Staatstheater stattfindet, ist übrigens kein Zufall, sondern vertraglich zwischen Stadt und Land besiegelt. Wenn das Publikum in dieser Saison kostümiert im Saal sitzt, wird es nicht nur über den „Maulwurf“ in der Residenz schmunzeln, sondern auch eine Regisseurin feiern, die die Posse geprägt hat wie kaum jemand vor ihr.
Heidi Pohl, die das Pensionsalter längst überschritten hat, hinterlässt ein Haus, in dem das Lachen – oder wie sie sagt, das „Glücklichsein“ – oberste Priorität hatte.
