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Staatstheater Mainz und Wiesbaden – Erfolge mit unterschiedlichen Profilen

Staatstheater Mainz und Wiesbaden – Erfolge mit unterschiedlichen Profilen

Ein Vergleich der beiden Staatstheater zeigt, dass beide Häuser zu den leistungsfähigsten Mehrspartentheatern Deutschlands gehören. Sie erfüllen denselben öffentlichen Kulturauftrag, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Größe, Finanzierung und wirtschaftlichen Struktur.

Mit 232.181 Besucherinnen und Besuchern in der Spielzeit 2023/24 verzeichnete das Staatstheater Mainz ein etwas größeres Publikum als das Hessische Staatstheater Wiesbaden, das im Kalenderjahr 2024 auf 220.033 Besucher kam. Gleichzeitig brachte Mainz 814 Vorstellungen auf die Bühne, Wiesbaden 783. Damit liegt Mainz sowohl bei den Besucherzahlen als auch bei der Zahl der Aufführungen leicht vor dem benachbarten Staatstheater.

Besonders breit gefächert ist das Mainzer Angebot. Von den insgesamt 814 Aufführungen entfielen 270 auf das Schauspiel, 98 auf das Musiktheater, 87 auf Konzerte und 77 auf Tanzproduktionen. Hinzu kamen 221 Vorstellungen auf den Nebenspielstätten sowie 61 Gastspiele. Auch die Besucherzahlen verteilen sich ausgewogen: Das Schauspiel erreichte rund 59.600 Gäste, das Musiktheater etwa 47.000, das Ballett knapp 30.000 und die Nebenspielstätten mehr als 59.000 Besucherinnen und Besucher. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Schauspiels und der kleineren Spielstätten für die Publikumsentwicklung in Mainz.

Auch Wiesbaden bietet als klassisches Mehrspartentheater Oper, Schauspiel, Ballett, Konzert und Kinder- und Jugendtheater an. Die veröffentlichten Statistiken weisen jedoch lediglich die Gesamtzahlen von 783 Aufführungen und 220.033 Besuchern aus, ohne eine vergleichbare Aufschlüsselung nach Sparten.

Unterschiedliche Finanzierung

Beide Theater werden überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Das Staatstheater Mainz wird gemeinsam vom Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Mainz getragen, das Hessische Staatstheater Wiesbaden vom Land Hessen und der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Die Stadt Mainz erhöhte ihren institutionellen Zuschuss kontinuierlich von rund 15,17 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 15,53 Millionen Euro im Jahr 2024 und 15,91 Millionen Euro im Haushalt 2025. Die darüber hinausgehenden tarif- und inflationsbedingten Mehrkosten wurden überwiegend vom Land Rheinland-Pfalz übernommen. Insgesamt beläuft sich die öffentliche Finanzierung des Mainzer Hauses heute auf rund 65 Millionen Euro jährlich.

Für das Hessische Staatstheater Wiesbaden liegt die öffentliche Finanzierung bei rund 85 Millionen Euro pro Jahr. Damit verfügt das Haus über ein deutlich größeres Gesamtbudget, das unter anderem die größere Betriebsstruktur sowie die traditionsreiche Oper und die Internationalen Maifestspiele ermöglicht.

Wirtschaftlichkeit und Eigenfinanzierung

Ein häufig verwendeter Indikator für öffentliche Theater ist der Eigenfinanzierungsgrad, also der Anteil der selbst erwirtschafteten Einnahmen an den Gesamtausgaben. Hier erreicht Mainz mit rund 18 bis 20 Prozent einen etwas höheren Wert als Wiesbaden mit etwa 16 bis 18 Prozent. Beide Theater bewegen sich damit im üblichen Bereich deutscher Mehrspartentheater, deren Eigenfinanzierungsgrad meist zwischen 15 und 25 Prozent liegt.

Aus den öffentlichen Zuschüssen und den Besucherzahlen ergibt sich überschlägig ein Zuschuss von rund 280 Euro je Besucher in Mainz und etwa 386 Euro je Besucher in Wiesbaden. Diese Kennzahl sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Sie berücksichtigt weder die unterschiedlichen Produktionsstrukturen noch die höheren Kosten großer Opernproduktionen, denkmalgeschützter Gebäude oder internationaler Festivals. Dennoch zeigt sie, dass Mainz mit einem geringeren Gesamtbudget derzeit etwas mehr Besucher erreicht und mehr Vorstellungen anbietet.

Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des Staatstheaters Mainz über die letzte Dekade. Während in der Spielzeit 2014/15 noch 613 Vorstellungen mit rund 188.000 Besuchern gezählt wurden, erreichte das Haus 2023/24 bereits 814 Aufführungen und mehr als 232.000 Besucher. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 24 Prozent bei den Besucherzahlen und 33 Prozent bei den Aufführungen. Nach dem pandemiebedingten Einbruch der Jahre 2020 und 2021 gelang damit eine bemerkenswert schnelle Erholung.

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden erreichte Mitte der 2010er Jahre noch knapp 286.000 Besucher. Im Jahr 2024 wurden 220.033 Besucher und 783 Aufführungen gezählt. Das Haus befindet sich damit weiterhin auf einem hohen Niveau, hat das Vorkrisenniveau jedoch noch nicht vollständig wieder erreicht.

Fazit

Der Vergleich zeigt zwei leistungsfähige und künstlerisch erfolgreiche Staatstheater mit unterschiedlichen Profilen. Wiesbaden verfügt über das größere Budget und eine traditionsreiche Opern- und Festivalstruktur. Mainz überzeugt dagegen durch eine dynamische Entwicklung, einen etwas höheren Eigenfinanzierungsgrad, mehr Aufführungen und inzwischen auch mehr Besucher. Die Kennzahlen sprechen dafür, dass das Staatstheater Mainz seine Ressourcen derzeit sehr effizient einsetzt und seine Stellung als eines der erfolgreichsten Mehrspartentheater im südwestdeutschen Raum weiter ausbauen konnte.