Zum Inhalt springen

Theater-News

Gabriel Venzago: Ich habe manchmal gar nicht das Gefühl, zur Arbeit zu gehen

In einem Interview des Konzert- und Opernmagazins concerti hat der neue Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Gabriel Venzago einen tiefen Einblick in seine Vorstellungen von einem zeitgemäßen Dirigieren gegeben. Venzago definiert seine Rolle fern von traditionellen hierarchischen Strukturen und hin zu einer offenen, dialogorientierten Arbeitsweise. Besonders betont er das harmonische Betriebsklima am Mainzer Staatstheater. Wörtlich sagt er: „Am Staatstheater herrscht ein vorbildliches Betriebsklima. Die Kommunikation innerhalb des Hauses ist sensationell, offen, man spricht auf Augenhöhe. Ich habe manchmal gar nicht das Gefühl, zur Arbeit zu gehen, weil es wirklich sehr harmonisch ist. Wir besprechen das meiste in Teams. Spielplanfragen, Besetzungen, Engagements von Sängerinnen, Sängern oder Regieteams: Es gibt kein Vorpreschen einzelner Personen. Sogar kleinere Entscheidungen werden gemeinsam am Tisch getroffen. So etwas habe ich selten erlebt. Wir reden ja in der Branche viel darüber, Machtstrukturen umzubauen und Machtmissbrauch vorzubeugen. Hier werden Mechanismen gelebt, die so etwas tatsächlich schwer möglich machen. Das bewundere ich sehr.“ Auch die Mainzer Offenheit genieße er und seine Familie sehr. Venzago spricht sich deutlich gegen autoritäre Führung aus und erklärt, dass die moderne Gesellschaft eine andere Form von Macht und Führung verlangt. In seiner Arbeit mit dem Orchester strebt er nicht nach einer „Basta“-Politik, sondern nach einem…

Ein Walzertraum – ein außergewöhnlicher Konzert-Abend in Mainz

Wenn sich historische Filmbilder und live gespielte Musik zu einem einzigen Kunstwerk verbinden, entsteht jener Zauber, den nur ein Stummfilmkonzert erzeugen kann. Genau dieses Erlebnis bot das 4. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, das den frisch restaurierten Stummfilm Ein Walzertraum (1925) von Ludwig Berger mit einer neu komponierten Musik von Diego Ramos Rodríguez präsentierte. Was früher in den Kinos selbstverständlich war, ist heute eine Rarität – und macht dieses Konzert zu einem Ereignis, das weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit verdient. Stilistische Vielfalt der Komposition Grundlage des Projekts ist die aufwendige Restaurierung durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die dafür Materialien aus dem Filmarchiv Austria, dem Bundes-Filmarchiv und weiteren zeitgenössischen Quellen zusammenführte. Die Originalmusik des Films gilt inzwischen als verschollen. So erhielt Diego Ramos Rodríguez den Auftrag, eine völlig neue Partitur zu schaffen – eine Aufgabe, der er mit beeindruckender stilistischer Vielfalt nachkam. Eng am Bild komponiert und geprägt von einer modernen, doch nie aufdringlichen Tonsprache, verknüpft er Motive aus Straus’ Operette mit Zitaten aus Monteverdi, Mozart, Beethoven und Schubert bis hin zu Gershwin, Bernstein und damaligen Schlagern. Varietéinstru­mente wie Akkordeon, Saxophon oder Flügelhorn erweitern die orchestrale Palette, und wenn im Film die Konzertmeisterin einer Damenkapelle zum Bogen greift, erklingt im Orchester sogar…

Hop On – Kulturelle Teilhabe für alle jungen Menschen

Ab dem 5. Dezember 2025 startet am Staatstheater Mainz ein bundesweit einzigartiges Modell zur Förderung der kulturellen Teilhabe für junge Menschen – das „Hop On“-Projekt. Dieses innovative Modell geht auf eine Initiative des Vorsitzenden der Theaterfreunde Mainz, Dr. Wolfgang Litzenburger, nach dem Scheitern der Vereinbarung zwischen dem ASTA der Johannes Gutenberg-Universität und dem Staatstheater Mainz zurück. Ziel dieser Initiative war es nicht nur Studierenden, sondern allen jungen Menschen, unabhängig von ihren finanziellen Mitteln den Besuch von Theateraufführungen für „kleines Geld“ zu ermöglichen. „Hop On“ schafft einen niedrigschwelligen Zugang zum Theater. Der Name „Hop On“ spiegelt dabei den Gedanken wider, dass man spontan und unkompliziert in das kulturelle Geschehen eintauchen kann, ohne dass finanzielle oder bürokratische Hürden im Weg stehen. Dieses Modell wurde bei einer Pressekonferenz von Intendant Markus Müller gemeinsam mit Kulturstaatssekretär Prof. Jürgen Hardeck, Oberbürgermeister Nino Haase sowie dem Präsidenten der Johannes Gutenberg-Universität Prof. Georg Krausch, Inga und Alexander Steinhoff (Mainzer Wissenschaftsstiftung), Thorsten Mühl (Rheinhessen Sparkasse) und Peter Hähner (LBBW) der Öffentlichkeit vorgestellt. Soziale Verantwortung des Staatstheaters Das Modell „Hop On“ zeige, so Markus Müller, die soziale Verantwortung des Staatstheaters Mainz. Er fügte hinzu: „Es ist ein tolles Zeichen, dass so viele lokale Partner zusammenarbeiten, um diese Initiative zu…

Theater Talk mit Sabine Fallenstein und Gabriel Venzago

Am 16. November 2025 fand wieder einmal der traditionsreiche Theater Talk der Theaterfreunde Mainz statt, der seit nunmehr 25 Jahren Teil des Vereinsprogramms ist. Rund 60 Mitglieder folgten der Einladung und erlebten einen sehr lebendigen Abend mit der SWR-Musikredakteurin Sabine Fallenstein und dem neuen Generalmusikdirektor und Chefdirigenten des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, Gabriel Venzago. Sabine Fallenstein führte kenntnisreich und gut vorbereitet durch das Gespräch. Gleich zu Beginn richtete sie den Blick auf Venzagos musikalische Wurzeln. Der 1990 in Heidelberg geborene Dirigent stammt aus einer Musikerfamilie: Sein Vater ist der Schweizer Dirigent Mario Venzago, seine Mutter die Solo-Bratscherin Marianne Venzago. Trotz dieser Vorgeschichte, so berichtete er schmunzelnd, seien seine Eltern keineswegs begeistert gewesen, dass er sich schon früh zur Oper hingezogen fühlte. Klavierunterricht erhielt er daher erst mit fünf Jahren – bewusst ohne Leistungsdruck, sondern spielerisch, wie es seinen Eltern wichtig war. Venzago sprach sehr offen über seine Ausbildungsjahre. Die Dirigierstudien in München und Stuttgart habe er nicht durchweg in guter Erinnerung behalten. In München sei er sogar von der Hochschule ausgeschlossen worden, nachdem er seinen Lehrer kritisch darauf hingewiesen habe, dass er nicht wisse, was er dort eigentlich lerne. Dennoch führte ihn sein Weg über mehrere Hochschulen hinweg schließlich zum Masterabschluss…