Am 16. November 2025 fand wieder einmal der traditionsreiche Theater Talk der Theaterfreunde Mainz statt, der seit nunmehr 25 Jahren Teil des Vereinsprogramms ist. Rund 60 Mitglieder folgten der Einladung und erlebten einen sehr lebendigen Abend mit der SWR-Musikredakteurin Sabine Fallenstein und dem neuen Generalmusikdirektor und Chefdirigenten des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, Gabriel Venzago.
Sabine Fallenstein führte kenntnisreich und gut vorbereitet durch das Gespräch. Gleich zu Beginn richtete sie den Blick auf Venzagos musikalische Wurzeln. Der 1990 in Heidelberg geborene Dirigent stammt aus einer Musikerfamilie: Sein Vater ist der Schweizer Dirigent Mario Venzago, seine Mutter die Solo-Bratscherin Marianne Venzago. Trotz dieser Vorgeschichte, so berichtete er schmunzelnd, seien seine Eltern keineswegs begeistert gewesen, dass er sich schon früh zur Oper hingezogen fühlte. Klavierunterricht erhielt er daher erst mit fünf Jahren – bewusst ohne Leistungsdruck, sondern spielerisch, wie es seinen Eltern wichtig war.
Venzago sprach sehr offen über seine Ausbildungsjahre. Die Dirigierstudien in München und Stuttgart habe er nicht durchweg in guter Erinnerung behalten. In München sei er sogar von der Hochschule ausgeschlossen worden, nachdem er seinen Lehrer kritisch darauf hingewiesen habe, dass er nicht wisse, was er dort eigentlich lerne. Dennoch führte ihn sein Weg über mehrere Hochschulen hinweg schließlich zum Masterabschluss im Fach Orchesterdirigieren.
Im Gespräch über seine Probenarbeit betonte Venzago, wie sehr sich das Dirigieren gewandelt habe. Autoritäre Stilformen seien heute überholt; stattdessen setze er auf eine klare Linie gepaart mit echter Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Musikerinnen und Musikern. Diese Haltung habe sich auch in seinen bisherigen Stationen bewährt – etwa als Kapellmeister in Schwerin und Salzburg oder als Chefdirigent der Bodensee Philharmonie, wo er seit 2023 neue Konzertreihen entwickelte und die Junge Bodensee Philharmonie gründete.
Fallenstein lenkte den Blick zudem auf Venzagos rasant wachsende internationale Tätigkeit. Engagements führten ihn unter anderem zu Orchestern in Aarhus, Singapur, Bochum und Koblenz sowie zum Luzerner Sinfonieorchester. Auch an großen Opernhäusern war er bereits erfolgreich tätig: Zu seinen besonderen Höhepunkten zählt das Einspringen für eine Neuproduktion von Mozarts „Idomeneo“ an der Bayerischen Staatsoper sowie die vielbeachtete musikalische Leitung des Projekts „Zaide. Eine Flucht“, das gemeinsam mit jungen Geflüchteten realisiert wurde.
Die angeregte Diskussion und die freundliche Atmosphäre machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis – und zum gelungenen Auftakt für Venzagos Wirken in Mainz.
