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Gabriel Venzago: Ich habe manchmal gar nicht das Gefühl, zur Arbeit zu gehen

Gabriel Venzago: Ich habe manchmal gar nicht das Gefühl, zur Arbeit zu gehen

In einem Interview des Konzert- und Opernmagazins concerti hat der neue Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Gabriel Venzago einen tiefen Einblick in seine Vorstellungen von einem zeitgemäßen Dirigieren gegeben. Venzago definiert seine Rolle fern von traditionellen hierarchischen Strukturen und hin zu einer offenen, dialogorientierten Arbeitsweise. Besonders betont er das harmonische Betriebsklima am Mainzer Staatstheater. Wörtlich sagt er: „Am Staatstheater herrscht ein vorbildliches Betriebsklima. Die Kommunikation innerhalb des Hauses ist sensationell, offen, man spricht auf Augenhöhe. Ich habe manchmal gar nicht das Gefühl, zur Arbeit zu gehen, weil es wirklich sehr harmonisch ist. Wir besprechen das meiste in Teams. Spielplanfragen, Besetzungen, Engagements von Sängerinnen, Sängern oder Regieteams: Es gibt kein Vorpreschen einzelner Personen. Sogar kleinere Entscheidungen werden gemeinsam am Tisch getroffen. So etwas habe ich selten erlebt. Wir reden ja in der Branche viel darüber, Machtstrukturen umzubauen und Machtmissbrauch vorzubeugen. Hier werden Mechanismen gelebt, die so etwas tatsächlich schwer möglich machen. Das bewundere ich sehr.“ Auch die Mainzer Offenheit genieße er und seine Familie sehr.

Venzago spricht sich deutlich gegen autoritäre Führung aus und erklärt, dass die moderne Gesellschaft eine andere Form von Macht und Führung verlangt. In seiner Arbeit mit dem Orchester strebt er nicht nach einer „Basta“-Politik, sondern nach einem kollektiven Ansatz, bei dem die Musiker ihre eigenen Ideen einbringen können. Für ihn ist Musik eine gemeinsame Reise, bei der jede Entscheidung das Ergebnis eines Dialogs sein sollte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Interviews ist Venzagos Ansatz zur Vermittlung klassischer Musik. Er möchte nicht nur ein jüngeres Publikum ansprechen, sondern alle Altersgruppen erreichen, ohne auf Crossover-Projekte zurückzugreifen. Stattdessen setzt er auf Formate, die die Inhalte der Musik auf kreative Weise vermitteln.

Abschließend gibt Venzago in einem Ausblick auf die nächsten Jahre an, in denen er eine Offenheit in Mainz etablieren möchte, die die Schwelle zwischen Oper, Konzertsaal und Publikum senkt. In fünf Jahren soll man erkennen können, dass er gemeinsam mit dem Orchester ein neues Kapitel aufgeschlagen hat – eines, das von musikalischer Vielfalt und einer breiteren, zugänglicheren Klassik geprägt ist.

Das Interview zeichnet Venzago als nachdenklichen und zukunftsorientierten Dirigenten, der seine Aufgaben mit Verantwortung und einer offenen Haltung gegenüber seinen Mitmusikern und dem Publikum angeht.

Theaterfreunde können das ganze Interview hier lesen. Alle anderen müssen erst noch Mitglied der Theaterfreunde werden.