Am 4. November 2025 fand im Glashaus des Staatstheaters Mainz die diesjährige Mitgliederversammlung der Theaterfreunde Mainz statt. Zahlreiche Mitglieder waren gekommen, um gemeinsam auf ein ereignisreiches Jahr zurückzublicken und einen Ausblick auf die kommenden Monate zu erhalten.

Bevor der offizielle Teil begann, wurde den Theaterfreunden ein besonderes musikalisches Erlebnis vor der eindrucksvollen Kulisse des Mainzer Doms geboten: Die Sänger Derrick Ballard, Myungin Lee und Tim-Lukas Reuter sangen ausdrucksstark Arien aus aktuellen Produktionen des Staatstheaters. Am Flügel wurden sie begleitet von Fiona Macleod, Studienleiterin und Repetitorin des Hauses. Der musikalische Auftakt fand großen Beifall und sorgte für eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Erfolgreichste Spielzeit in der Geschichte des Theaters
Intendant Markus Müller begrüßte die Anwesenden mit einem Grußwort, das vom Stolz über die Erfolge der abgelaufenen Spielzeit geprägt war. Gemessen an den Besucherzahlen sei sie die erfolgreichste Spielzeit in der Geschichte des Staatstheaters Mainz gewesen. Müller versprach, am Theater weiterhin ein vielfältiges, weltoffenes und inspirierendes Programm anzubieten – als lebendiger Ort der Begegnung für alle Bürgerinnen und Bürger.
Engagement fürs Theater
Im Anschluss blickte der Vorsitzende der Theaterfreunde, Dr. Wolfgang Litzenburger, auf das vergangene Vereinsjahr zurück. Unter dem Motto „Theater hat engagierte Freunde“ zeigte er auf, wie vielfältig das Engagement der Mitglieder ist.
Ein Schwerpunkt des Engagements der Theaterfreunde war zuletzt die Sanierung der beiden vom Verein gemieteten Künstlerwohnungen in der Mainzer Altstadt. Diese dienen seit vielen Jahren als Unterkunft für Gäste des Staatstheaters, die kurzfristig eine theaternahe und bezahlbare Unterkunft benötigen. Dank des großen Einsatzes von Eva von Hülst konnten die Wohnungen vollständig renoviert und neu eingerichtet werden. „Modern, stilvoll, theatergastfreundlich – so präsentieren sie sich jetzt wieder“, sagte Litzenburger. Die Investition von rund 10.000 Euro sei gut angelegtes Geld: „Wer Theater liebt, sorgt auch dafür, dass seine Künstler gut schlafen können.“
Soziale Verantwortung: Der Zimmerschied-Fonds
Seit über 15 Jahren unterstützen die Theaterfreunde Mainz mit dem in Erinnerung an den Vorgänger von Dr. Wolfgang Litzenburger so genannten „Zimmerschied-Fonds“ in Not geratene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters und Orchesters. Aus diesem Sozialfonds helfen die Theaterfreunde bei unvorhergesehenen Ausgaben – etwa bei Autoreparaturen oder Arztrechnungen. Sie sind auch bereit, Mietbürgschaften zu stellen.
Während der Corona-Pandemie hatten viele Theaterfreunde die Beträge aus Ticket-Erstattungen dem Fonds gespendet. Dadurch stieg sein Volumen um 15.000 Euro auf insgesamt 24.000 Euro. Nach der Auflösung der Theatergemeinde Mainz kamen weitere 13.000 Euro hinzu – zweckgebunden für Theatermitarbeiter in finanziellen Schwierigkeiten. Litzenburger dankte insbesondere Barbara König von der früheren Theatergemeinde und Erik Raskopf für ihre Unterstützung.
Positive Mitgliederentwicklung und Digitalisierung
Mit derzeit 291 Mitgliedern verzeichnet der Verein eine stabile und erfreuliche Entwicklung. Allein im Jahr 2025 konnten 16 neue Freundinnen und Freunde gewonnen werden. „Natürlich müssen wir auch altersbedingte Abgänge hinnehmen“, so Litzenburger, „doch insgesamt zeigt der Trend nach oben.“
Besonders erfolgreich war eine Aktion beim Theaterfest 2025: Wer dort ein Theaterabonnement abschloss, erhielt ein Jahr die kostenlose Mitgliedschaft bei den Theaterfreunden – mit deutlich positiver Resonanz.
Im Bereich der Vereinsverwaltung wurde zu Jahresbeginn eine neue Software eingeführt, um Abläufe wie Beitragseinzug, Dokumentenversand und Buchhaltung zu vereinfachen. Eine technische Panne bei der ersten Abbuchung sei zwar ärgerlich gewesen, werde aber künftig nicht mehr vorkommen. „Wir wachsen auch mit den digitalen Herausforderungen“, sagte Litzenburger mit einem Augenzwinkern.
Billiger und spontaner Theaterzugang für junge Menschen
Mit Besorgnis äußerte sich der Vorsitzende zur Auseinandersetzung zwischen dem AStA der Johannes Gutenberg-Universität und dem Staatstheater über die sog. „Studierenden Flatrate“. Der Verein halte den Eindruck, Studierenden werde der Zugang zu vergünstigten Karten erschwert, für unzutreffend – betone aber die Wichtigkeit eines breiten, fairen Angebots für alle jungen Menschen.
Die Theaterfreunde setzen sich dafür ein, dass nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende und junge Menschen, die ein Freiwilliges Sozilaes Jahr (FSJ) leisten, von günstigen Eintrittspreisen profitieren. „Kunst und Kultur dürfen keine Frage des Geldbeutels sein“, betonte Litzenburger. Der Verein appelliert an die Theaterleitung, ein neues, unbürokratisches Modell zu entwickeln, damit alle junge Menschen bis zu einem bestimmten Alter spontan ins Mainzer Theater gehen können.
Dank und lebendige Vereinsarbeit
Dr. Litzenburger dankte allen Mitgliedern des Vorstands für ihre engagierte Arbeit: Eva von Hülst, Christianne Brenken, Ingrid Komossa, Dierk Fröhlich, Harald Zuckmayer und Schatzmeister Kaufhold. Gemeinsam hätten sie wesentlich dazu beigetragen, dass der Verein lebendig und aktiv bleibe.
Über 20 Prozent der Mitglieder beteiligten sich regelmäßig an Veranstaltungen – doppelt so viele wie in vergleichbaren Vereinigungen. Besonders beliebt sind die Reihen „Theater-Talk mit Sabine Fallenstein“, „Alltag im Theater“ (organisiert von Eva von Hülst) sowie die Theaterfreunde-Treffs, bei denen regelmäßig Gäste aus dem Ensemble oder dem Orchester teilnehmen. Auch Probebesuche erfreuen sich großer Nachfrage.
Blick in die Zukunft
Mit Spannung blicken die Theaterfreunde dem Abschluss der laufenden Umbauarbeiten am Theatergebäude entgegen. Zwar sei das Provisorium kreativ gestaltet, doch die Einschränkungen seien bei jedem Theaterbesuch deutlich spürbar. Nach der baulichen Fertigstellung müsse das Haus noch wohnlich ausgestattet werden – mit Möbeln und Details, die zum Verweilen einladen.
Litzenburger kündigte an, dass die Theaterfreunde auch hierbei unterstützen wollen: „Rechnen Sie damit, dass wir wieder Sonderspendenaktionen starten werden – für ein einladendes, offenes und lebendiges Theater.“
Zum Abschluss seiner Rede betonte er die Bedeutung der Gemeinschaft und das anhaltende Engagement der Mitglieder: „Die Theaterfreunde Mainz sind lebendig, engagiert und offen für die Zukunft. In diesem Sinne halten wir unserem Theater die Treue.“
